Wandern auf deutschen Jakobswegen

JakobswegWegzeichenDie im Mittelalter weit verbreitete Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela in Galicien zu den Gebeinen des Heiligen Jakobus weckte in den vergangenen Jahren das Interesse von immer mehr Menschen. Obwohl die originalen Wege der Pilger des Mittelalters heute meist nicht mehr existieren, wurden doch im Verlauf der überlieferten Routen in den vergangenen Jahren immer mehr Wege mit der Jakobsmuschel markiert. Einige dieser Wege führen durch Baden-Württemberg. Inzwischen ist das Netz der Jakobswege durch Baden-Württemberg so dicht, dass es teilweise etwas verwirrend wirkt. Die zahlreichen inzwischen durch Baden-Württemberg markierten Jakobswege kann man in Hauptrouten und in  regionalen Routen einteilen. Hier die vier Hauptrouten der Jakobswege durch Baden-Württemberg:

1. Jakobsweg Nürnberg - Bodensee - Einsiedeln

2. Jakobsweg Würzburg - Rothenburg ob der Tauber - Ulm

3. Jakobsweg Rothenburg ob der Tauber - Rottenburg - Thann im Elsaß

4. Jakobsweg Rothenburg ob der Tauber - Speyer

Die dritte Jakobsweghauptroute läßt sich in zwei Teilrouten aufteilen:

3a. Jakobsweg Rothenburg ob der Tauber - Rottenburg am Neckar, 9 Etappen, 200 km

3b. Jakobsweg Rottenburg am Neckar - Thann im Elsaß, 9 Etappen, 225 km (Teilstrecke: Kinzigtäler Jakobsweg)

Die Teilstrecke 3a von Rothenburg ob der Tauber nach Rottenburg am Neckar verläuft durch folgende Orte und Städte: Langenburg, Schwäbisch Hall, Murrhardt, Oppenweiler, Winnenden, Esslingen, Denkendorf und Tübingen. Zwischen Endersbach und Neckartailfingen gibt es zwei Varianten, die westliche über Esslingen (Hauptweg) und die östliche über Strümpfelbach, Bodelshofen und Frickenhausen.

Die Teilstrecke 3a kann in folgenden Einzeletappen gelaufen werden:

1. Etappe: Rothenburg - Schrozberg, 19 km
2. Etappe: Schrozberg - Langenburg, 18 km
3. Etappe: Langenburg - Schwäbisch Hall, 23 km
4. Etappe: Schwäbisch Hall - Murrhardt, 26 km
5. Etappe: Murrhardt - Winnenden, 32 km

Im Verlauf der 6. Etappe verzweigt sich der Jakobsweg in Endersbach.

Westliche Route:
6a. Etappe: Winnenden - Esslingen, 21 km
7a. Etappe: Esslingen - Neckartailfingen, 23 km

Östliche Route:
6b. Etappe: Winnenden - Weinstadt-Endersbach-Wernau, 26 km
7b. Etappe: Wernau - Neckartailfingen, 28 km

8. Etappe: Neckartailfingen - Tübingen, 26 km
9. Etappe: Tübingen - Rottenburg am Neckar, 12 km

Wegzeichen: gelbes Strahlenbündel (stilisierte Jakobsmuschel) auf blauem Grund, die Wegrichtung wird durch den Fokus des Strahlenbündels angezeigt.

 

Unter Via Beuronensis werden im weitesten Sinne sechs Jakobswege zwischen Neckar und Bodensee zusammengefasst. Sie führen von Tübingen nach Konstanz. Der eigentliche Beuroner Jakob(u)sweg (Via Beuronensis) führt von Tübingen nach Wald.

Tübinger Jakobsweg 31 km

E1: Tübingen – Wurmlingen – Rottenburg am Neckar, 11 km
E2: Rottenburg – Dettingen – Hechingen, 19 km

Hohenzollerischer Jakobsweg 73 km

E1: Hechingen – Schlatt – Jungingen – Ringingen – Burladingen, 20 km
E2: Burladingen – Neufra – Hermentingen – Veringenstadt, 20 km
E3: Veringenstadt – Veringendorf – Jungnau – Sigmaringen, 14 km
E4: Sigmaringen – Laiz – Inzigkofen – Vilsingen – Engelswies – Igelswies – Meßkirch, 19 km

Beuroner Jakobsweg 87 km

E1: Hechingen – Wessingen – Bisingen – Balingen, 20 km
E2: Balingen – Weilstetten – Tieringen – Nusplingen, 24 km
E3: Nusplingen – Bärenthal – Beuron, 15 km
E4: Beuron – Buchheim – Meßkirch, 18 km

Linzgauer Jakobsweg 59 km

E1: Meßkirch – Wald – Pfullendorf, 19 km
E2: Pfullendorf – Schönach – Owingen – Überlingen, 26 km
E3: Überlingen – Dettingen-Wallhausen – Litzelstetten – Konstanz, 14 km

Habsthaler Jakobsweg 32 km

E1: Bad Saulgau – Bolstern – Friedberg – Rosna – Kloster Habsthal, 20 km
E2: Habsthal – Levertsweiler – Pfullendorf, 12 km

Hegauer Jakobsweg 71 km

E1: Wald – Sentenhart – Mindersdorf – Stockach, 24 km
E2: Stockach – Ludwigshafen – Bodman – Liggeringen – Markelfingen, 26 km
E3: Markelfingen – Allensbach – Kloster Hegne – Wollmatingen – Konstanz, 21 km

Via Beuronensis

 

Jakobsweg Etappe 9: von Bebenhausen (TÜ) nach Rottenburg

 

JakobswegWegzeichenDie Abschlussetappe 9 des Jakobsweges Rothenburg-Rottenburg führt vom Kloster in Bebenhausen (TÜ) zum Dom St. Martin in Rottenburg. Die Highlights der 18 km langen Streckenwanderung sind das Schloss Hohentübingen, die Wurmlinger Kapelle und der Dom St. Martin in Rottenburg. Der Wanderweg verläuft meist auf befestigten Wegen.

Das Schloss Hohentübingen liegt zentral in der Stadt Tübingen auf einem Bergsporn. Es wurde ab dem 11. Jhd. erbaut, im 16. Jhd. erweitert und stellt in seiner heutigen Form eine Mischung aus mittelalterlicher Burg, neuzeitlichem Schloss sowie Festung dar. Heute beherbergt das Schloss das 1994 eingerichtete und seit 1997 der Öffentlichkeit zugängliche Museum Alte Kulturen, inklusive dem Museum WeltKulturen. Beide sind Teil des Museums der Universität Tübingen MUT und zeigen einen Ausschnitt der universitären Lehrsammlungen der Älteren Urgeschichte, der Jüngeren Urgeschichte, der Ägyptologie, der Altorientalistik, der Klassischen Numismatik, der Ethnologie, der Klassischen Archäologie (Abguss-Sammlung und Originalsammlung). Für Gruppen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen werden Workshops wie eine Steinzeitwerkstatt, zu Hieroglyphen, antiker Kleidung oder Tattoos, um nur wenige zu nennen, in Kursen angeboten. Der Rittersaal mit der Abguss-Sammlung ist seiner ungewohnten, friedlich-leichten Atmosphäre wegen zu einer beliebten Stätte für Dichterlesungen, Musikmatinées und Empfänge geworden.

Die Sankt-Remigius-Kapelle, umgangssprachlich auch Wurmlinger Kapelle, auf dem Kapellenberg bei Wurmlingen ist ein beliebtes Ausflugs- und Wallfahrtsziel. Der romanische Vorgängerbau wurde 1050 in der Amtszeit von Papst Leo IX. als Grabkapelle des Stifters Graf Anselm von Calw dort errichtet. Die romanische Krypta stammt aus der Zeit um 1150. Der gotische Nachfolgebau brannte 1644 ab. Die bis heute erhalten gebliebene barocke Kapelle wurde 1685 geweiht. 1911 nahm der Kunst- und Kirchenmaler Carl Dehner eine Ausmalung der Kapelle vor. Von der am Fuße des Berges gelegenen Ortschaft Wurmlingen führt ein 1687 errichteter Kreuzweg zur etwa 130 m höher gelegenen Kapelle hinauf. Um die dem Heiligen Remigius geweihte Kapelle herum befindet sich der Friedhof von Wurmlingen.

Die Bergkapelle ist von Mai bis Oktober bei schönem Wetter in der Regel sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Sage nach soll Graf Anselm von Calw angeordnet haben, dass er nach seinem Tod auf einen Wagen gelegt werden solle, der von zwei Ochsen gezogen werden solle. Dort, wo sie anhielten, solle seine Grabkapelle erbaut werden. Es gibt ähnliche Sagen zu Kirchen- und Klostergründungen an anderen Orten, diese sollen die besondere Heiligkeit des Orts darstellen, dienten aber eher zur Christianisierung zuvor heidnischer Kultorte.

Der Dom St. Martin in Rottenburg ist die Kathedralkirche des Bistums Rottenburg-Stuttgart und dem Heiligen Martin von Tours geweiht. Konkathedrale ist die Domkirche St. Eberhard in Stuttgart. Um der ursprünglichen Stadtpfarrkirche den angemessenen Rahmen einer Domkirche zu geben, wurde sie in den vergangenen zwei Jahrhunderten mehrfach renoviert und dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst: Neugotik (1867/68 und 1897), Neubarock (1927/28), Purismus (1955/56), Neubarock/Eklektizismus (1977/78). Die letzte Renovierung erfolgte von 2001 bis 2003 nach einem Gutachterverfahren durch ein Architekturbüro. Durch den Einzug einer Zwischendecke, ein modernes Beleuchtungs-konzept, neue Bestuhlung und das Entfernen spätgotischer Altäre soll der Eindruck eines historischen Raumes mit gotisch-barockem Stilgemisch vergessen gemacht werden. Die barocken Apostelfiguren eines Rottenburger Meisters aus dem 17. Jhd. blieben als Säulenschmuck aber erhalten.

Wegstrecke:
Bebenhausen - Kloster Bebenhausen - Maronenweg - Ursrainer Weg - Elysium - Ammer - Jakobuskirche - Ammerkanal - Schloss Hohentübingen - Ludwig-Uhland-Institut - Schlossberstraße - Lichtenberger Weg - Bismarkturm Tübingen - Sommerweg - Winterweg - Spitzberg - Kapellenberg - Wurmlinger Kapelle - Kapellenweg - Wurmlingen - Rottenburg - Marktplatz - Dom St. Martin